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Bin ich dieser Körper?

Srila BR Sridhara Gosvami

Ich bin nicht dieser physische Körper. Meine eigene physische Identifikation sollte hinterfragt werden, wenn ich mich zu sehr an die physische Schülernachfolge festklammere. Wer bin ich? Bin ich dieser physische Körper? Wenn ich spirituell bin, dann sollte ich auf der spirituellen Ebene meine spirituellen Augen benutzen und jedem nachfolgen, der tatsächlich Mahaprabhus Pfad folgt.

Als die Pandavas sich in die Himalajas zurückzogen, ging Yudhisthira Maharaja voraus. Niemand glaubte daran, dass sie fallen würden. Arjuna konnte nicht glauben, dass seine Brüder gefallen sind. Aber sogar nachdem Arjuna gefallen war, ging immer noch ein Hund weiter und folgte Maharaja Yudhisthira. Vielleicht werden wir viele sehen, die auf der Reise zum spirituellen Ziel am Weg liegen bleiben, trotzdem sollten wir versuchen, das Ziel zu erreichen. Mit der Hilfe eines jeden, der mich begleitet, werde ich weiter gehen.
Einige werden zurück bleiben. Sogar ein madhyam-adhikari-guru mag zurück bleiben, wenn er herunter fällt. Das ist keine sehr schöne Sache, aber es kann vorkommen, dass mein Guru voraus gegangen ist, mich weitergebracht hat und dann heruntergefallen ist. Dann müssen wir mit frischer Energie den Herrn um Hilfe bitten und weiter gehen. Solch ein Unglück mag uns auf unserer Reise widerfahren. Trotzdem dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Manchmal müssen wir alleine, manchmal in Gemeinschaft weiter gehen.
Am Anfang muss sukriti vorhanden sein, angesammelte Verdienste, dann wird sraddha, Vertrauen, uns führen. Die Qualität unseres Vertrauens muss geprüft werden. Sraddha, Vertrauen, ist ein allgemeiner Begriff, aber sraddha kann in so viele verschiedene Klassen eingeteilt werden. Die höchste Form des Vertrauens wird unser Fahrtgeld auf dem Weg nach Hause zu Gott sein. Manchmal werden wir Gleichgesinnte um uns haben, und manchmal müssen wir alleine gehen. In jedem Fall müssen wir einfach weiter auf unser Ziel zugehen, weil wir die Hilfe von so vielen unsichtbaren Gurus bekommen werden.

 

Unsichtbare Gurus

Es gibt auch andere, die aktiv sind, und ihr Ideal wird uns inspirieren, obwohl wir keinen physischen Begleiter oder Anhänger sehen. Die Inspiration der unsichtbaren Gurus wird unser Fahrtgeld sein. Sie werden uns inspirieren, die Reise fortzusetzen. Und unser aufrichtiges Streben nach der Wahrheit wird uns richtig leiten. Das bedeutet guru-parampara, Schülernachfolge. Wer ist Guru? Ist der Guru der Körper? Oder ist der Guru ein vairagi, ein Asket. Oder ist der Guru nur eine formelle Erscheinung, ein Heuchler, der wie ein Heiliger erscheint, aber im Inneren anders handelt? Wer ist Guru? Nur jemand, der mich mit Hingabe ausschließlich zu Krishna und Mahaprabhu führt. Er ist mein Guru, was immer er sein mag. Mahaprabhu sagte zu Ramananda Raya: „Ramananda, warum weichst du zurück? Denkst du, dass Ich ein sannyasi bin und du ein grihasta? Immer zögerst du, um auf Meine Fragen zu beantworten. Denkst du, es ist unangebracht, dass du einen sannyasi brahmana unterweist? Zögere nicht! Du kennst Krishna am besten. Gib Mir Krishna. Sei mutig!“ Auf diese Weise hat Mahaprabhu Ramananda angespornt. „Durch Krishnas Gnade bist du im Besitz des Kapitals. Gib es Mir. Du bist der wahre Kapitalist. Ich bin gekommen, um in der Welt zu verbreiten, dass du der reichste Kapitalist der spirituellen Welt bist. Und das muss zum Wohle der Allgemeinheit verwendet werden. Zögere nicht. Weiche nicht zurück. Bekenne dich.“
Ramananda sagte: „Ja, das ist Dein Kapital. Du hast es in mir angelegt, und heute bist Du gekommen, um es abzuheben. Es ist Dein Eigentum. Ich verstehe, Du zwingst mich, es auszuzahlen. Einverstanden, ich bin nur ein Werkzeug in Deinen Händen. Was immer Du mich sprechen lassen möchtest, ich bin bereit, es zu sagen.“ Auf diese Weise fuhr Ramananda fort. Aber ist Ramananda ein Mitglied der guru-parampara? Wir sind Ramananda Raya so viel schuldig, aber er ist nicht in der guru-parampara. Trotzdem ist er bedeutender als viele der Gurus in der guru-parampara. Srimati Radharani ist nicht in der guru-parampara. Sollten wir sie missachten? Zuerst sollte der Guru kommen, dann die Frage nach der parampara. Die wichtigste Frage ist, wer ist Guru? Und danach kann es eine Kette von Gurus geben, die herabkommen.

Alexander, der große Formbrecher

Manchmal muss das Formelle beiseite gelassen werden. Alexander der Große kam einmal mit seinem Vater an einem Streitwagen vorbei, in dessen Seil ein riesiger Knoten gebunden war. Unter dem Knoten war eine Inschrift: „Wer immer diesen Knoten lösen kann, wird ein großer König in der Zukunft sein.“ Der junge Alexander fragte seinen Vater: „ Was ist das, Papa?“ Sein Vater antwortete: „Dieser Knoten wurde hier fest gebunden, und es steht geschrieben, dass jeder, der ihn lösen kann, in der Zukunft ein großer König werden wird.“ Alexander sagte: „Ich werde das schaffen.“ Er zog sein Schwert und zerschlug den Knoten. Ist das klar? Die Form wurde nicht beibehalten. Ein Mann stand daneben. Er trat vor und sagte: „Ja, er wird ein großer König sein. Es kann gar nicht anders sein.“ Er ließ die Form beiseite, sah es durch die Augen der Praxis, und so zerschnitt Alexander sofort den gordischen Knoten. Das ist eine berühmte Geschichte. Hätte er sich an die Formalitäten gehalten, hätte er verloren. Ähnliches geschah auch im Falle von Columbus. Jemand hat ihn herausgefordert: „Kannst du ein Ei auf einer Spitze eines Nagels stehen lassen?“ Columbus hat es auf den Nagel gedrückt, ein Teil ist dabei zerbrochen, und so stellte er es auf den Nagel und sagte: „Ja ich habe es geschafft.“ Das ist praktisches Wissen.
Die wirkliche Schülernachfolge liefert praktisches Wissen als Unterstützung der herabkommenden göttlichen Liebe. Wo immer wir diese Unterstützung vorfinden, müssen wir unseren Kopf verneigen. Wir sollten keine Formalisten, sondern Substantialisten werden, und auch keine Anhänger einer bestimmten Mode oder Nachahmer, sondern praktische, wirklichkeitsbezogene Denker werden. Das sollte immer unsere Natur sein.