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Auf der Suche nach der Lösung

Srila BR Sridhara Gosvami

Das innewohnende Prinzip des Lebens ist es, unsterblich zu werden, der Unwissenheit zu entkommen und glücklich zu werden. Hier ist unsere Existenz in jedem Augenblick in Gefahr. Unwissenheit droht unser Wissen zu bedecken, und wir sind immer davon bedroht, von Leid verschlungen zu werden. Das sind unsere Widersacher, unsere angeborenen Feinde, die uns ständig bedrohen. Wir müssen sie auf wissenschaftliche Weise bekämpfen und herausfinden, wie wir sie los werden können. Sie bedrohen unsere Existenz, unser Wissen und unseren Sinn für Glück.

bhidyate hrdaya-granthis chidyante sarvva-samsayah
ksiyante casya karmmani, mayi dreste ‘khilatmani
— Bhagavatam, 11.20.30

Wenn wir die richtige Lösung finden, werden alle Fragen verschwinden. Es scheint beinahe unmöglich und unbegreiflich – aber diese Lösung werden wir in der uralten Schrift Srimad Bhagavatam finden. Solch eine Stufe ist möglich. Was bedeutet das? Bhidyate hrdaya-granthis – all die Knoten im Herzen werden gelöst sein. Das Herz ist voll von verschiedenen Bindungen. Wir fesseln uns selbst mit dieser und jener Vorstellung, ja mit Tausenden von Vorstellungen. Wir sind festgebunden von: „Ich mag dies. Ich mag das. Ich mag jenes.“ Aber es gibt eine bestimmte Art von Wissen, das sich in uns offenbaren und alle Knoten mit einem Schlag lösen kann. Sofort werden wir erkennen, dass alle dieser Knoten unnötig sind. Löse sie, löse sie alle! Sie sind unsere Feinde. Wir haben sie für Freunde gehalten und wir wollten uns mit ihnen festbinden. Löse sie, löse sie, löse sie! Sie alle sind keine Freunde, sondern Feinde, deswegen sollten alle Fesseln im Herzen zerschlagen werden. Bhidyate hrdaya-granthis ist die erste Stufe: frei zu werden von den Fesseln der Handlung, von karma.
Die nächste Stufe ist die Ebene des Wissens, chidyante sarva-samsayah, so viele Zweifel, ein Zweifel nach dem anderen. Aber so wie Nebel verschwindet, werden auch alle Zweifel beseitigt werden. Es gibt diese Stufe, diese Ebene ohne jeden Zweifel. Die Upanishaden sagen hierzu:

yasmin jnate sarvam idam vijnatam bhavati
yasmin prapte sarvvam idam praptam bhavati
tad vijijnasasva tadeva brahma

Fragen zu stellen ist gut, aber frage wie ein anständiger Mensch, auf angemessene, wissenschaftliche Art. Suche! Suche nach dieser besonderen Sache, die der Suche nach allem gleich kommt. Beginne nach jener Sache zu suchen, die alle deine Probleme lösen wird. Die Suche nach diesem und jenem, nach den Bedürfnissen von A, B oder C – verwirf alle diese verrückten Ideen. Suche nur nach der einen Sache, die alles zufrieden stellen wird. Es ist möglich.
Yasmin jnate sarvam idam vijnatam bhavati - wenn wir diesen einen Punkt kennen, ist alles bekannt. Wenn wir diese Sache bekommen, dann haben wir alles erlangt. Ist das möglich? Ja, es ist möglich. Wenn wir zu dieser Überzeugung kommen, dann ist das echtes Vertrauen – sraddha.
Es ist möglich. Es gibt die zentrale Wahrheit. Wenn wir das wissen, dann ist uns alles bekannt. Wenn wir das erlangen, haben wir alles erlangt. Wenn du ein Student sein möchtest, dann studiere eine solche Sache von absolutem, allumfassendem Charakter, nicht nur von teilweisem Charakter. Suche nach dem Ganzen, dem Konzept des Ganzen. Das wird uns zu dem Verständnis des einen beherrschenden Poles führen, der einen Einheit, der Einheit des Gesamten: zum Verständnis, dass von einem Punkt aus die Gesamtheit unserer Vorstellung kontrolliert und beherrscht wird, zu dem Einen im Ganzen. Dieser Eine ist der Meister des Ganzen, und wenn ich mit dem Einen vertraut bin, dann werde ich mit dem Ganzen vertraut sein. Wir müssen nach dem Meister der bewussten Ebene suchen. Fast alles hängt von Bewusstsein ab. Äußere Empfindungen und Wahrnehmungen sind alle von Bewusstsein abhängig. Ein „Ding“ bedeutet die Wahrnehmung des Dinges durch Auge oder Tastsinn usw. Alles, was wir in dieser Welt wahrnehmen, ist eine Anhäufung von Wahrnehmungen und Empfindungen – und alles gründet auf Bewusstsein.
So müssen wir nach dem Meister, dem König der bewussten Welt suchen. Wir haben in dieser irdischen Welt nichts zu tun als nach der Ursache, der urersten Ursache zu suchen. Auf verschiedenen Stufen des Lebens gibt es verschiedene Stufen der Erkenntnis der Ursache, bis hin zum Land von Schönheit und Liebe. Dorthin müssen wir uns zurückziehen. Zurück zu Gott, zurück nach Hause. Zurück zum Zentrum. Zuhause ist nicht bloßes Bewusstsein. Bewusstsein liegt nur am Weg. So wie es bei einer langen Reise viele Herbergen entlang des Weges gibt, so liegt in ähnlicher Weise Bewusstsein auf dem Weg in das Land von Liebe und Schönheit – das Land Krishnas. Zuerst müssen wir Bewusstsein durchqueren, dann werden wir Süße, anandam, rasam, entdecken. Anandam, Freude, hat die Kontrolle über alles, nicht Bewusstsein. Bewusstsein ist die Grundlage, aber unser wahres Streben geht nach Glück, Ekstase, anandam, rasam. Rasa, Schönheit herrscht, und erst das kann unseren inneren Durst stillen, nicht Wissen und auch nicht Bewusstsein. Bewusstsein ist nicht vollständig. Bewusstsein kann unser inneres Verlangen nicht zufrieden stellen, ganz zu schweigen von der materiellen Energie. Unser Inneres verlangt nach Zufriedenheit, Glück, Liebe, Schönheit und Barmherzigkeit. Im Innersten unseres Herzens streben wir alle nach Süße, nach rasa, aber wir irren umher auf der Suche nach rasa und kehren frustriert von einem Schlag ins Gesicht zurück. Wir suchen nach rasa. Auf diese Weise wandern wir endlos, angetrieben von den Zwängen der äußeren Natur. Wir wandern hierhin und dorthin, aber durch dieses Wandern werden wir niemals das Richtige finden.
Glücklicherweise kommen Vertreter der höheren Ebene herab, um uns zu retten. Auf verschiedenste Arten, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, injizieren sie uns spezielle Neuigkeiten, die sich mit der Zeit anhäufen und eine bestimmte Energie in uns schaffen: „Ich muss zurück zu meinem Zuhause!“ So erfahren wir nach und nach, wie unser Zuhause beschaffen ist und mit welcher Art von Glück unser Leben verbunden ist. Dorthin müssen wir zurückkehren. Das ist die Mission des Krishna-Bewusstseins, das ist das Land von Vrindavan, das glücklichste Reich, dort befindet sich die weiteste Ebene, die alles andere einschließt. Das Land dort ist kein Teil, vielmehr ist diese materielle Welt ein vernachlässigbarer Teil jener unendlichen Welt, dem unendlichen Ozean der Süße. Alle können dort ihr Zuhause finden.
Das hat nichts zu tun mit Götzenverehrung, mit Hypnose oder mit Sentimentalität.